Meine Anregungen

Es gibt zahlreiche Tricks und Strategien, die den Alltag rund um das Thema Schule vereinfachen können. Bevor Sie nun weiterlesen und schauen, ob etwas für genau Ihr Kind und Ihre Situation dabei ist, bitte ich Sie, sich folgende Worte in aller Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen:

 

Veränderungen brauchen Zeit, Geduld, Ausdauer, kleine Schritte und vor allem die Mitarbeit aller Beteiligten! 

 

Gehen Sie den Weg mit Ihrem Kind gemeinsam

Abschreiben

Es gibt immer mal wieder etwas abzuschreiben, ob bei den Hausaufgaben oder "privat". Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche neigen allerdings dazu, nicht das Wort an sich, sondern die einzelnen Buchstaben abzuschreiben. Diese Strategie ist nachvollziehbar, denn so muss das Wort 1. nicht richtig gelesen werden, 2. nicht gemerkt werden und 3. reduziert sie die Anzahl der Fehler. 

Der große (immens große!) Nachteil dieser Strategie ist jedoch, dass sie das Einprägen der Wortbilder verhindert oder zumindest nicht voranbringt. 
Eine Verbesserung der Lese- und Schreibleistung ist gekoppelt an die Automatisierung der Wortbilder. In der Praxis bedeutet dies: Ein Wort muss nicht immer wieder von Neuem hergeleitet und Buchstabe für Buchstabe erarbeitet werden, sondern ist in seinem Gesamtbild im Gedächtnis abgespeichert. 
Damit die Automatisierung der Wortbilder erfolgen kann, ist es jedoch unumgänglich, sich immer wieder mit dem gesamten Wortbild auseinanderzusetzen.
Deshalb mein Tipp für Abschreibübungen aller Art: Wort genau lesen - Wort abdecken - Wort schreiben - Wort kontrollieren.
Dies ist eine zeitaufwendige Methode, ich weiß! Doch sie ist effektiv!

Anstrengung

Als Eltern haben wir den inneren Drang, unsere Kinder vor Misserfolgen und Enttäuschungen zu bewahren und wir würden ihnen am liebsten jeden noch so kleinen  Stein aus dem Weg räumen. Doch tun wir unseren Kindern damit wirklich etwas Gutes? Woran liegt es, dass wir ihnen noch im ersten Lebensjahr mit glücklichen Augen dabei zuschauen, wie sie bei ihren ersten wackligen Laufversuchen immer wieder auf dem Hintern landen und ab dann jedes Verhalten nach dem Schema "trial and error" vermeiden?

Auf diese Frage muss jeder seine eigene Antwort finden. Doch den natürlichen Ehrgeiz der Kinder, den wir anfangs als so liebreizend empfinden, ersticken wir oft selbst unbemerkt im Keim.

Erfolge und Ergebnisse sind an Mühen und Anstrengungen geknüpft - so funktioniert das Leben. Den Kindern vorzulügen, man könnte auch auf "spielerische Weise" jede Menge lernen, halte ich für gefährlich. Selbstverständlich lernen wir auch im Spiel, vielleicht lernen wir im Spiel auch sehr viel mehr, als wir dies am Schreibtisch je könnten. Doch es ändert nichts daran, dass wir in einem System leben, in dem die Inhalte der Schulzeit vorgeschrieben sind. Und diese lassen sich in der Regel nicht "einfach so mal eben" ins Gedächtnis spielen.

Deshalb sollten wir unseren Kinder frühzeitig vorleben, dass Erfolge Spaß machen können! Anstrengungen, sind sie richtig eingesetzt, können Freude bringen, wenn das angestrebte Ziel erreichbar scheint. Und auch ein verfehltes Ziel kann neuen Anreiz geben, es beim nächsten Mal anders zu machen.

Leider höre ich viel zu häufig Aussagen wie "Die Arbeit ist zu stressig!" oder "Das ist viel zu anstrengend für mich!". Wir Erwachsenen merken oft gar nicht, wie wir den Kindern so schon sehr früh die Einstellung vermitteln, dass das Leben möglichst störungs- und anstrengungsfrei verlaufen sollte. Viel lieber würde Aussagen hören wie "Na klar schaffen wir das! Wir haben schon ganz andere Sachen geschafft!" oder "Und hinterher belohnen wir uns so richtig!". Sie geben Mut und motivieren! Ein Erfolg, der einem in den Schoß gefallen ist, ist nur ein Erfolg. Aber ein Erfolg, für den man hart arbeiten musste, ist ein unbeschreibliches Gefühl, von dem man sehr lange zehren kann!


Automatisieren

Immer wieder spreche ich von automatisierten Wortbildern oder dem automatisierten Erkennen von Silben oder sonstiger Automatisierung, als wäre es ein heiliges Wort der Lerntherapie. Doch genau dies ist es im Grunde auch - wir müssen uns als Erwachsene mit normal ausgeprägten Fähigkeiten beim Lesen und Schreiben nur einmal kurz die Zeit nehmen und uns bewusst dabei beobachten, wie WIR lesen. Dies tun wir nämlich nur noch sehr selten! Nein, in diesem Satz liegt kein Schreibfehler vor!
Wenn wir einen Text lesen, springen wir beim "Lesen" von Wort zu Wort. Doch was wir eigentlich tun, ist, dass wir das Wortbild eines uns bekannten Wortes in Windeseile erkennen und unser Gedächtnis Aussprache und Bedeutung ohne nachzudenken abrufen kann. Wir LESEN also nicht, sondern wir ERKENNEN.
Einem Kind mit Lese- Rechtschreibschwäche gelingt dies nicht. Es muss jedes einzelne Wort Buchstabe für Buchstabe zusammenziehen. Dies braucht Zeit und kostet viel Konzentration. Nachvollziehbar also, dass es vielen Kindern bei diesem Kraftakt nicht noch zusätzlich gelingt, den Inhalt des Gelesenen zu erfassen. 
Ein gutes LRS-Training muss also vor allem die Automatisierung von Wortbildern zum Ziel haben. Dieser Prozess, welcher (aus verschiedensten Gründen) bis zum Ende der Grundschule nicht abgeschlossen werden konnte, muss mühsam nachgeholt werden. Ein stufenweise aufeinander aufbauendes Lesetraining kann hier unterstützend wirken. 


Belohnung

Jeder Mensch strebt nach Lob und Anerkennung für seine erbrachten Leistungen. Stellen sich trotz großer Mühen keine Erfolge ein, so wächst nicht nur Enttäuschung über sich selbst, sondern auch die Angst davor andere zu enttäuschen. Wir Erwachsene unterschätzen oft, wie sehr Kinder von dem Gefühl geprägt sind, es uns recht und uns stolz machen zu wollen.
Aussagen wie "Du lernst nicht für mich, sondern für dich selbst" haben für Kinder daher keinen Wert, denn aus Ihrer Sicht lernen sie selbstverständlich nur deshalb so fleißig, weil Ihnen unser Stolz so ein tolles Gefühl gibt.
Kinder, die für ihre Erfolge hart kämpfen müssen, schöpfen mehr Motivation daraus, wenn wir sie für ihre Erfolge belohnen anstatt für ihre Misserfolge zu strafen. Die Streichung des Sportprogramms sollte sowieso nie Mittel der Wahl sein, da Kinder genau diesen körperlichen Ausgleich benötigen. 
Nehmen Sie denn Begriff "Er-ziehung" also ruhig wörtlich und geben Sie Ihrem Kind Anreize, Ihnen zu folgen, anstatt es vor sich herzuschieben. 

Bewegung

"In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist." Diesen Ausspruch kennen Sie sicher und er will Ihnen sagen, dass unsere geistige Fitness daran gekoppelt ist, wie wir uns in unserem Körper fühlen. Bewegung (ich rede bewusst nicht von Sport, denn man kann auch ohne einen Sportverein in Bewegung bleiben) tut uns in vielerlei Hinsicht gut! Ohne auf physiologische Details eingehen zu wollen, ist es unumstritten, dass Bewegung die Konzentration fördert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert.
Lassen Sie Ihrem Kind also so oft es geht die Freiheit, seine Wege selbst zu bewerkstelligen. Dies sorgt je nach bisheriger Gewohnheit vielleicht erstmal für Unmut, doch hat zahlreiche Vorteile: Die Kinder bekommen die Möglichkeit, sich für ihre Wege zu verabreden und somit auch für Kreativität, Blödsinn, Geheimnisse und interessante Gespräche. Das Leben wird ein wenig entschleunigt, denn (ob wir wollen oder nicht) das Auto gibt uns immer automatisch das Gefühl, dass wir uns beeilen müssen. Kinder, die ihren Schulweg alleine oder mit Freunden (bzw. zumindest ohne das Elterntaxi) zurücklegen müssen, sind außerdem häufig aufmerksamer und konzentrierter in der Schule, da sie bereits einen Ausgleich zum langen Sitzen erleben durften. 
Und nicht zuletzt muss ein Mensch immer als Ganzes betrachtet werden !Nicht selten entstehen Symptome wie Unkonzentriertheit oder Müdigkeit aus der Verkettung vieler kleiner anderer Zahnräder.

Ernährung

Bei Konzentrationsschwierigkeiten und deren mögliche Ursachen denken die wenigsten an die Ernährung. Doch hier lohnt es sich, hier genauer hinzuschauen. Frühstückt Ihr Kind, bevor es aus dem Haus geht, so dass es gestärkt in den Tag starten kann? Was isst Ihr Kind über den Tag? Isst es auch vor oder während des Lernens? Süße Sachen schmecken lecker, keine Frage, doch geben sie dem Körper nicht die Energie, die er benötigt. Hat Ihr Kind (vielleicht noch unentdeckte) Unverträglichkeiten und Allergien, die dem Körper Kraft rauben und ein dauerhaftes Unwohlsein verursachen?
Generell gilt: Eine ausgewogene  und regelmäßige Ernährung ist wichtig, damit der Körper den Anforderungen des Tages gewachsen ist! Einseitige Ernährung macht uns träge - den Körper UND den Geist!

Familienplaner

Ein Familienplaner, also ein Kalender, der für alle Familienmitglieder einsehbar ist und genutzt werden kann bzw. soll, hat viele Vorteile: Zum einen hat er Vorbildcharakter und vermittelt den Kindern der Familie, dass Termine geplant und organisiert werden müssen. Niemand wird von spontanen Erinnerungen überrascht, sondern alle können sich auf den nächsten Tag und die nächste Woche einstellen. Sowohl für Eltern als auch für die Kinder können Abgabetermine oder das Lernen für eine Arbeit langfristig in den Alltag integriert werden. Jede Familie kennt die Situation, dass alles auf einmal zu kommen scheint und oft bleibt dann nur noch Zeit für Schadensbegrenzung. Ein Familienplaner kann diese Situationen vermeiden und mehr Entspannung in den Alltag bringen. 

Ferien

Um die Frage, ob Schulkinder in den Hausaufgaben bekommen sollten oder nicht, entstehen immer wieder hitzige Debatten und selbst unter den Experten herrscht keine Einigkeit.
Da ist zum einen der wohlverdiente Urlaub, so wie ihn auch jeder Erwachsene braucht, welcher der Erholung, der Langeweile und der Entspannung dienen soll. Da sind auf der anderen Seite aber auch die schlechten Noten und in den Ferien wäre endlich einmal genügend Zeit, um das eine oder andere Thema noch einmal in Ruhe zu wiederholen.
Worüber sich allerdings nicht (mehr) streiten lässt, sind die Ergebnisse einer Studie, welche die Leseleistung von leseschwachen Schülerinnen und Schülern überprüfte, welche in den Ferien an einem Lesetraining teilnahmen.
Demnach ist es so, dass leseschwache Kinder, die ein tägliches Lesetraining in den Ferien absolvierten, zwar nur wenig bis gar nicht besser wurden über die Ferien - bei den leseschwachen Kindern jedoch, die in den Ferien nicht lasen, eine Verschlechterung der Leseleistung zu erkennen war. Im neuen Schuljahr ist also ein noch größerer Abstand zwischen "Gutlesern" und "Schlechtlesern" zu verzeichnen, allerdings nicht aufgrund der Tatsache, dass die Guten immer besser werden, sondern dass die Schlechten sich weiter verschlechtern.
Dies bestätigt meine Ansicht, dass es (leider) Schulkinder gibt, die sich eine Pause weniger leisten können als andere. Damit möchte ich nicht dazu aufrufen, Kinder in den Ferien mit zusätzlichen Aufgaben zu quälen! Auch sie haben sich ihre Ferien verdient! Doch ich möchte Bewusstsein dafür schaffen, dass 10 Minuten lesen am Tag kein Weltuntergang sind - aber sehr viel bewirken können! Machen Sie diese 10 Minuten zu einem festen Bestandteil Ihres Tages, so dass es kein Aufschieben und Rauszögern gibt, lesen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam und gönnen Sie sich nach der Anstrengung etwas Schönes!

heftführung

Die Mitschriften aus dem Unterricht und den Hausaufgaben haben eine größere Bedeutung, als wir Ihnen im Alltag zugestehen. In einem Heft oder einem Hefter befindet sich nämlich nicht nur ein paar unzusammenhängend aufgeschriebene Sätze und wilde Blättersammlungen, sondern sie stellen das gesammelte Wissen eines Unterrichtsfaches dar. 
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kinder darin geschult werden, ihre Unterlagen nicht nur zu archivieren, sondern auch mit ihnen arbeiten zu können! Lesbarkeit, Farben, unterstrichene Überschriften, Übersichtlichkeit und Vollständigkeit sind hier nur ein paar Begriffe, die ich in diesem Zusammenhang nennen möchte. Erscheinen die eigenen Arbeitsmaterialien zur Vorbereitung auf eine Klassenarbeit unnütz, so ist dies ein guter Grund um neue Strukturen zu etablieren. Gehen Sie die Schulsachen, die für den nächsten Tag benötigt werden, gemeinsam Schritt für Schritt durch, bis es zur Routine geworden ist und Ihr Kind diese Aufgabe alleine gewissenhaft bewältigt. 
Ordnung im Kopf fängt beim Auge an!

Irrtum Intrinsische Motivation

Intrinsische Motivation ist die Form der Motivation, die aus uns selbst hervorgeht - also ohne äußere Anreize, Belohnungen, Noten, etc. 
Ich beobachte immer wieder, dass wir von unseren Kindern erwarten sich selbst zu motivieren - zum Lernen, zum Lesen, zum Ehrgeiz. Doch sind wir mal ganz ehrlich zu uns selbst - wie oft gelingt es UNS an einer Sache dranzubleiben, wenn sie uns Nerven und Kräfte raubt, der Erfolg meist ausbleibt und uns noch nicht mal eine Entschädigung für unsere Mühen in Aussicht gestellt wird? 
Geben Sie niemals auf Ihr Kind zu motivieren und ihm Mut zuzusprechen auf seinem steinigen Weg - ganz besonders dann, wenn es selbst immer mehr den Mut zu verlieren droht.
Und scheuen Sie sich nicht davor, extrinsische Motivationsfaktoren zu schaffen, wenn es Ihnen und Ihrem Kind hilft! Belohnen Sie sich gemeinsam für Ihre Anstrengungen!

Irrtum Selbst-organisation

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und beantworten für sich selbst folgende Frage: Welche Kompetenzen erwarte ich eigentlich von meinem Kind?
Ist bei dem, was Sie nun im Kopf haben auch "Selbstständigkeit" dabei? Oder "Eigenverantwortlichkeit"? Oder ein anderer Begriff, der in diese Kategorie gehört?
Diese Kompetenzen erwarten wir von den Kindern auch in Bezug auf Schule. Das ist generell etwas Gutes und ich kann das Streben nach Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein nur unterstützen! Doch sollten wir Erwachsene uns darüber im Klaren sein, was wir von den Kindern da eigentlich erwarten.
Verspüren wir Erwachsene die Lust eine neue Sprache zu lernen, so beginnen wir vielleicht mit einem Anfängerkurs an der Volkshochschule oder kaufen uns ein gut bewertetes Selbstlernprogramm. Doch sind wir ehrlich - wie viele Menschen in Ihrem Umfeld kennen Sie, die ein solches Vorhaben tatsächlich durchgehalten haben und stolz sagen können "Ich spreche jetzt fließend Japanisch!"? Genau das verlangen wir allerdings von unseren Kindern. Sie sollen die Herausforderung Schule mit Hilfe von Wochenplänen, Gruppenarbeiten und Projekten meistern, die allesamt ein hohes Maß an Selbstorganisation und Selbstverantwortung voraussetzen. In meinen Augen ganz klar, dass hier diejenigen Kinder den Kürzeren ziehen, die diese Kompetenzen nicht mitbringen, sondern erst noch erwerben müssen. 

Karteikarten

Es gibt zahlreiche Lernmethoden und jede hat ihre Berechtigung. Kindern und Eltern sollten sich mindestens einmal im Laufe der Schulzeit die Zeit nehmen, um den Lerntyp des Kindes herauszufinden. Ist dies geschehen und hat sich ein Lernsystem hervorgehoben, mit dem Inhalte ganz besonders gut und auch langfristig im Gedächtnis bleiben, sollte dem unbedingt treu geblieben werden - egal wie zeitaufwendig es ist! 
Effektives Lernen, ob über Bilder, Abschreiben, Skizzen oder oder oder, funktioniert jedoch IMMER und NUR über Wiederholungen! Aus diesem Grund empfehle ich das Karteikartensystem, welches übrigens in allen Fächern angewendet werden kann. Die Karten können problemlos unterschiedlich sortiert werden, sie können die Darstellung von Zusammenhängen erleichtern, ihr Grundcharakter lädt ein zur regelmäßigen Wiederholung und sie finden, je nach Größe, in jeder Tasche Platz. In Fremdsprachen können die Karten mit grammatischen Inhalten problemlos im nächsten Schuljahr wieder Verwendung finden und erweitert werden.
Kinder mit einer unsauberen Handschrift sollten beim Beschriften der Karten Unterstützung erhalten.

Konzentration

Immer wieder berichten mir Eltern, sie (und auch die LehrerInnen) sähen eine Ursache für die schulischen Probleme und die mangelhafte Rechtschreibung in der schlechten Konzentrationsfähigkeit des Kindes. Auf meine Frage, wie ihr Kind sich denn bei Computerspielen verhalte, beim Puzzlen oder mit Freunden, dann bekomme ich oft die Antwort "Da kann er sich stundenlang mit beschäftigen und ist überhaupt nicht ansprechbar!" Aha!
Ich habe bisher noch kein Kind kennengelernt, das sich per se nicht konzentrieren kann. Die Frage nach der leichten Ablenkbarkeit bei bestimmten Aufgaben oder Tätigkeiten, wie dem Lesen oder den Hausaufgaben, kann also in den meisten Fällen nicht mit "mangelnder Konzentration" beantwortet werden. Die Spurensuche geht tiefer. Warum gelingt es dem Kind bei bestimmten Aufgaben nicht, seine Aufmerksamkeit zu fokussieren? Warum ist das Kind bei bestimmten Tätigkeiten so schnell unkonzentriert? 
Oft liegt dies daran, dass genau diese Handlungen dem Kind sehr viel mehr Kraft kosten als andere und es daher schnell erschöpft ist. Der Hinweis "Konzentrier' dich doch bitte besser!" ist also nicht nur unangebracht, sondern häufig auch kontraproduktiv. 
Genau hier sollte eine gezielte Förderung einsetzen! 

Lesetraining

"Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!"
Ein oft witzig gemeinter Satz, den wohl jeder von uns schon einmal hören musste, als er an einer geschlossenen Tür drückte, auf der dick "ziehen" stand.
Doch in diesem Satz steckt mehr Wahrheit, als wir uns vielleicht bewusst sind. Denn wer NICHT lesen kann, ist definitiv klar im Nachteil!
Schwierigkeiten beim Lesen können viele Gründe haben - häufig ist es die fehlende Automatisierung von Wortbildern, die dazu führt, dass jedes Wort von Anfang bis Ende gelesen werden muss anstatt es als Ganzes auf einen Blick zu erkennen. Dieser Prozess sollte mit Ende der Grundschule abgeschlossen sein. Doch zweifelhafte Methoden, ein spannungs-geladenes Klassenklima, lange Krankheitsphasen oder oder oder können verhindern, dass Kinder den Übergang von "Buchstabe-für-Buchstabe-Lesen" zum Erfassen des gesamten Wortbildes nicht alleine bewältigen.
Hier kann ein gezieltes Lesetraining helfen! Schritt für Schritt durchläuft das Kind die Phasen des Lesenlernens noch einmal, jedoch nun in seinem ganz eigenen Tempo. Schon nach wenigen Wochen können sich erste Erfolge einstellen.
Das Schöne: Fällt das Lesen nach und nach leichter, so wächst auch der Mut, sich einem Text oder sogar einem Buch zu stellen. Dadurch wiederum werden Lesefertigkeiten zusätzlich trainiert und das Lesen wird schneller und sicherer. Das Kind befindet sich in einer Aufwärtsspirale, in der Selbstvertrauen und Motivation einander Anschub geben.

MindMaps

Struktur und Übersichtlichkeit sind wichtig, damit das Gehirn Inhalte zuverlässig und sicher abspeichern kann. Es gibt Menschen, die haben diese Struktur im Kopf und sind auf keine optischen Hilfsmittel angewiesen. Doch dies sind die wenigsten. 

MindMaps sind empfehlenswerte Helfer, wenn es um Übersicht und Lernorganisation geht. Hier können beispielsweise alle Themen der nächsten Klassenarbeit erst einmal gesammelt und in eine Ordnung gebracht werden. 

Eine besondere Form der MindMap ist die ConceptMap, welche nicht nur die Begriffe eines Themas enthält, sondern auch Inhalte beschreibt und diese miteinander verknüpft.


Schlaf

Ein erholsamer Schlaf ist wichtig - für jeden! Denn Müdigkeit raubt uns Kraft und hält uns davon ab, das Beste aus uns herauszuholen. Es gibt zahlreiche Ratgeber, die Empfehlungen für den gesündesten Schlaf bereithalten. Ich empfehle nur: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Wie viele Stunden braucht Ihr Kind, um ausgeglichen und konzentriert durch den Tag gehen zu können? Wie schläft es abends am besten ein? Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Ihr Kind morgens von selbst wach wird und ausgeschlafen ist? An Ihren Antworten können Sie sich orientieren. 
Von Fernsehen oder anderen digitalen Medien oder technischen Geräten rate ich selbstverständlich ab (Berufskrankheit). Nicht, weil ich ein Feind des gedanklichen Abschaltens bin, sondern weil aus lernpsychologischer Sicht erwiesen ist, dass so alles Lernen und Üben des abends so gut wie umsonst gewesen sind - die mühsam erlernten Vokabeln werden innerhalb weniger Minuten überlagert.
Noch ein paar Seiten zu lesen, beruhigt dagegen und trainiert ganz nebenbei die Lesefertigkeiten. Vielleicht kennen Sie das Phänomen, dass man etwas liest und gleichzeitig über etwas ganz anderes nachdenkt - unser Gedanken bleiben also aktiv, was beim Fernsehen oder Computerspielen meist nicht der Fall ist.

Veränderung

Egal, was Sie sich - im besten Fall mit Ihrem Kind gemeinsam - als erstes vornehmen, seien Sie geduldig mit sich! Veränderungen brauchen Zeit und Ausdauer!
Ist beispielsweise Ihr oberstes Ziel, Ordnung in die Schulsachen zu bringen, so legen Sie den Fokus zunächst nur auf diese eine Sache. Gehen Sie mit Ihrem Kind jeden Abend gemeinsam die Unterlagen für den nächsten Tag durch und achten darauf, ob alle losen Blätter eingeheftet sind, alles leserlich ist, sind alle Arbeiten vorgezeigt, etc. Machen Sie diese Aktivität zu einem Ritual, zum Beispiel immer zwischen Abendessen und Zähneputzen. Erst, wenn das Packen der Schulsachen keinen Grund mehr für Diskussionen darstellt, sondern ein fester Bestandteil des Tagesablaufes ist, gehen Sie zur nächsten Veränderung über.
Dies kann zum Beispiel das tägliche Vokabellernen sein. Im Anschluss an den gepackten Ranzen wird also noch 10 Minuten mit dem Vokabelkasten gearbeitet.
Vermutlich denken Sie gerade "Wann sollen wir das alles noch machen? Der Alltag ist doch so schon so voll!" Doch ich kann Ihnen versichern, dass sich die investierte Mühe lohnen wird und Sie in Zukunft viel Zeit sparen werden durch ausbleibende Diskussionen und die immer größere Selbstständigkeit Ihres Kindes!

Vertrauen

Vertrauen ist ein großes Wort und gewinnt überall dort an Bedeutung, wo Großes geleistet werden soll.
Ich möchte Sie an dieser Stelle ermutigen, Vertrauen zu haben! Haben Sie Vertrauen in sich als Eltern! Denn niemand kennt Ihr Kind besser als Sie! Erlauben Sie sich das Gefühl, besser als jeder andere zu wissen, was gut für Ihr Kind ist! Nehmen Sie Ratschläge an und entnehmen Sie ihnen, was Ihnen sinnvoll erscheint und vergessen Sie, was sich falsch oder unpassend anfühlt! Folgen Sie Ihrem Bauch und lassen Sie nicht locker, wo Ihr Kind auf Ihre Hartnäckigkeit angewiesen ist und lassen Sie es dagegen ein wenig lockerer angehen, wenn es Ihnen und Ihrer Familie guttut. 
Es gibt viele Faktoren, die aus Kindern starke und selbstbewusste Erwachsene machen können - doch nichts ist wichtiger als ein Heim voller Liebe, Glaube und Vertrauen!

Ziele

Es gibt Zeiten, da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und unseren Schulkindern wird immer häufiger - und dabei mehr oder weniger deutlich - vermittelt, dass sie das, was sie in der Schule lernen, im Leben sowieso niemals wieder brauchen werden. Doch wie sollen sie so Sinnhaftigkeit in ihrer täglichen Arbeit erkennen?
Befindet sich Ihr Kind in einer Phase, in der einfach alles nur noch zu viel und unübersichtlich und nicht zu schaffen erscheint, setzen Sie sich gemeinsam neue Ziele. Bedenken Sie, dass Ziele erreichbar, messbar und klar definiert sein müssen. "Ich möchte besser werden in der Schule!" ist zwar ein lobenswertes Ziel, doch viel zu allgemein - so ist Frust vorprogrammiert. Auch sollten Ziele, die mit Schule zusammenhängen, nicht als Note formuliert sein, sondern von der Basis aus angegangen werden.
Zum Beispiel "Ich fange eine Woche vor der Klassenarbeit an mich vorzubereiten und schreibe mir am ersten Tag alle Themen auf, die ich lernen muss. Ich teile mir ein, an welchem Tag ich welches Thema lerne und lasse mich jeden Abend abfragen."
Oder "Ich schreibe mir jeden Abend 10 Vokabeln auf Vokabelkarten für meine Lernkartei und nehme mir weitere 10 Minuten Zeit, um meine Lernkartei durchzugehen."
Oder "Ich lese jede Nachricht, die ich bei WhatsApp schreibe, noch einmal konzentriert durch, bevor ich sie abschicke und achte dabei besonders auf die Groß- und Kleinschreibung."
Oder "Egal wie doof oder stressig der Tag war - nach dem Zähneputzen lese ich mindestens noch zwei Seiten mit Mama in unserem aktuellen Buch. Dabei wechseln wir uns nach jedem Absatz ab, damit es für mich nicht zu anstrengend wird."
Diese Ziele scheinen auf den ersten Blick nicht besonders erfolgsversprechend zu klingen für die nächste Deutscharbeit mit dem Thema "Wortarten und Satzglieder" - doch sie schafft eine Achtsamkeit dafür, dass Lernen mehr ist als der Prozess des Lernens an sich. Lernen heißt auch zu organisieren, zu planen, zu korrigieren, zu wiederholen und und und...